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das kreativ podest

I care for you

Zusammen mit Künstler:innen und Bewohner:innen aus den Stadtteilen Oberhausen und Bärenkeller haben wir 2021 »I care for you« , einen Kunst Pfad, erarbeitet. Das Projekt ging der Frage nach, wie eine fürsorgliche Welt aussehen kann. Das Gaswerk als ehemaliger Industriestandort bot ein widersprüchliches Ambiente bei der Auseinandersetzung mit dieser Frage. Die Gebäude sind von einer einzigartigen Architektur und ästhetischen Schönheit. Sie lassen aber auch erahnen, wie gefährlich es für Betriebsangehörige war, die technischen Anlagen zu bedienen. Wie war es um die Wohlfahrt der Belegschaft bestellt, welche Fürsorge hat sie erfahren? Der Kunst Pfad transformierte diesen Stoff in die heutige Zeit.

Das Projekt zeichnete sich durch die kollegiale Zusammenarbeit von Künstler:innen mit Nicht-Künstler:innen und Menschen mit Beeinträchtigungen aus.

In Kooperation mit Gaswerksfreunde Augsburg e.V., der Blindenseelsorge des Bistums Augsburg und dem Friedensbüro.
Gefördert durch: Fonds Soziokultur, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Neustart Kultur, Friedensstadt Augsburg, Heidehof Stiftung.
Unterstützt durch: Stadtwerke Augsburg

Kunst Pfad Stationen

GASIUS – Schutzpatron des Gaswerks: Installation am Gasbehälter

Seit 1913 ist GASIUS jedes Jahr im Frühjahr als engelsgleiche Schattenfigur zu sehen. Die Gaswerksangehörigen haben diesen Schatten zu ihrem Schutzpatron auserkoren. Sie waren fest der Meinung, nur durch GASIUS konnten das Werk und seine Menschen darin Unfälle und Kriegsjahre überstehen. GASIUS ist bis heute eine romantische Vorstellung eines höheren Wesens mit einem sinngebenden Plan geblieben, nämlich dem, dass das Gaswerk weiterhin Schutz und Fürsorge nötig hat.
Inklusive Kunst:
Die Geschichte von Gasius und den Gasbehältern ist in einer Audioarbeit festgehalten. Neben der Installation fanden mehrere Live-Events mit Dunkel-Lesungen statt, mit dem Ziel, ein Kunsterlebnis zu schaffen, das mit möglichst vielen Sinnen erfahrbar ist.
Künstlerinnen: Susanne Thoma, Lina Mann | Mitwirkung: Wolfgang Böhme

 
Audiodeskriptionen zu den Blaudrucken

BLAU MACHEN: Fotocollagen auf Stoff

Eine Station des Pfades bildete die Gefahrensituationen am Industriestandort Gaswerk und die Wohlfahrt der Arbeiter:innen ab. Das Gaswerksmuseum Augsburg stellte uns sein umfangreiches Fotoarchiv zur Verfügung. Wir gestalteten aus Fotocollagen auf Stoffbannern eine Ausstellung im Parkgelände. Die Stoffbanner stellten wir im Blaudruckverfahren her. Blau steht in der Farbsymbolik für Harmonie, Zufriedenheit und Ruhe. Die Farbe gilt als beruhigend und entspannend und unterstreicht den Wohlfahrtsgedanken. Die Redewendung BLAU MACHEN steht im Zusammenhang mit dem „blauen Montag“. An diesem Tag konnten sich Färbergesell:innen früher ausruhen, nachdem sonntags Stoffe in das blaue Farbbad gelegt wurden. Die Farbe entwickelte sich, wenn die Stoffe nach dem Farbbad an der Luft trockneten. Das moderne Blaudruckverfahren, auch Cyanotypie genannt, funktioniert in ähnlicher Weise durch Einwirkung von Sonnenlicht auf Stoffe.
Inklusive Kunst: Zu allen Motiven gibt es  Audiodeskriptionen.
Künstlerinnen/ Mitwirkende: Ingrid Alsmann, Susanne Thoma, Stefanie Kraut, Angelika Haselböck, Sabine Obst, Claudia Böhme, Matthias Ubert

SHELTER I: 3D-Erlebnis
SHELTER II: Sound-Erlebnis

Auf dem Gaswerkgelände sind mehrere Luftschutzräume erhalten. Dorthin flüchteten Werksangehörige bei einem Luftangriff während der Arbeitszeit. In die Arbeit sind Texte aus dem Roman »Tag null – Tag eins« von Hans Prölss eingeflossen. Die Zeitzeugin Barbara Schneider berichtet von ihren Erlebnissen während der Augsburger Bombennacht von 1944. (Quelle: Youtube video von Volltreffer online. Schülerredaktion der Albert Einstein-Mittelschule). Aus diesem historischen Material haben wir eine 3D-Erfahrung angefertigt. Mit einer Virtual-Reality-Brille wird das Leben im Bunker nachvollziehbar, auch ohne ihn real zu betreten. Durch das 3D-Erlebnis entsteht eine intensive Auseinandersetzung mit einem sehr speziellen Zufluchtsystem in Ausnahmesituationen wie Krieg und Katastrophen.
Inklusive Kunst: Bunkerstille: eine Soundcollage mit O-Tönen aus Vergangenheit und Gegenwart
Künstler:innen: Arnold Schenk, Sophie (Te) Tröster, Susanne Thoma | Mitwirkende: Gabriele Hornauer, Werner Tröster, Christine Tettenhammer, Oliver Frühschütz, Stefan Zaum, Max Zaum

LOST: Intervention beim Luftschutzbunker

Mit der künstlerischen Arbeit LOST wurde die Frage aufgeworfen, was sichtbar bleibt und was verloren geht. Die »living sculpture« war der Versuch, einer banalen Wiese eine gestaltete Form abzutrotzen. Mit Huflattich, Kriechendem Günsel, Behaartem Schleierkraut und anderen Kräutern wurde der Schriftzug LOST angesät. Der seitenverkehrte Buchstabe »L« zeichnete dabei den Umriss eines im Erdreich verborgenen Luftschutzbunkers nach. »Lost« ist das Jugendwort des Jahres 2020. Die Künstlerin Stefanie Kraut hat sich mit Luftbild-Archäologie beschäftigt. Damit lassen sich unter der Erde verborgene Siedlungsreste aus der Vogelperspektive an der Vegetation ablesen. Die Ungewissheit, wie und wann sich der Schriftzug LOST auf dem vorhandenen Rasen sicht- und lesbar abheben wird, war kalkulierter Teil der vegetativen Installation. Eine beständige gärtnerische Fürsorge war Bedingung, nicht aber Gewähr, für die Sichtbarkeit des Textes.
Inklusive Kunst: Eine Audiodeskription begleitete die Intervention.
Künstlerin: Stefanie Kraut | Mitwirkende: Susanne Thoma, Holger Thoma, Matthias Amann, Claudia Böhme u.a.

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